Suchmaschinenoptimierung (SEO)
Der betriebswirtschaftliche Nutzen von Top-Positionen in relevanten Suchmaschinen wird heute kaum noch in Frage gestellt. Unsere im Februar 2006 fertiggestellte Studie über die Erfolgsdeterminanten des Online-Marketings aus Sicht deutscher Unternehmer und Marketingverantwortlicher bestätigt diese Einschätzung (Extrakt der Studie siehe: www.inmedias.de/online-marketing/studie.html).
Angesichts phänomenaler Wachstumsraten und Gewinne der Suchmaschinenanbieter und stetig steigender Nutzerzahlen ist dies nicht verwunderlich.
Suchmaschinenoptimierung: Definition und Begriffsabgrenzung
Unter Suchmaschinenoptimierung versteht man alle Maßnahmen, die dazu geeignet sind, eine bessere Platzierung in den redaktionellen Ergebnisseiten von Suchmaschinen zu erreichen. Diese Maßnahmen gliedern sich in der Regel in so genannte Offsite- und Onsite-Optimierung. Suchmaschinenoptimierung wird häufig auch Web-Promotion, SEO (search engine optimization), Web-Optimierung oder Web-Ranking genannt. Der Begriff Suchmaschinenmarketing hat sich in jüngerer Zeit eher zum übergeordneten Begriff für alle Maßnahmen entwickelt, die grundsätzlich geeignet sind, gute Platzierungen in Suchmaschinen zu erreichen. Er umfasst also auch bezahlte Platzierungen im Sinne von Keyword-Advertising. Auch der Begriff Performance-Marketing fällt häufig im Zusammenhang mit Suchmaschinenoptimierung. In einigen jüngeren Werken wird Suchmaschinenmarketing und damit auch Suchmaschinenoptimierung unter dem Begriff Performance-Marketing subsumiert, obwohl Suchmaschinenoptimierung nicht den Kriterien des Performance-Marketings gerecht werden kann.
Betriebswirtschaftliche Relevanz von SEO
Bereits 2005 wurde durch eine Studie von Nielsen/NetRatings nachgewiesen, dass 79 Prozent aller Internetnutzer die Suchmaschinen als den ersten und wichtigsten Anlaufpunkt ansehen, wenn es um eine Kaufentscheidung geht. Auch aus dem Jahre 2005 stammt eine Studie der Firma DoubleClick, die ebenfalls die hohe Relevanz von Suchmaschineneinträgen für Kaufentscheidungs-Prozesse belegt. Laut dieser Studie spielen bei etwa 50 Prozent aller Online-Käufe Suchvorgänge eine Rolle. Die hohe Bedeutung von Suchmaschinen im Kaufprozess hat sich auch in jüngerer Zeit nicht geändert. Eine Studie von INNOFACT aus dem Jahr 2007 belegt, dass 66% der Internetnutzer Suchmaschinen als Informationsquelle vor einem Kauf von Consumer Electronic-Produkten nutzen. Eine repräsentative Studie von INTERNET WORLD Business aus dem Jahre 2008 besagt, dass 45,9% der Befragten über eine Suchmaschine zu einem neuen Online-Shop gelangen. Auf Europäischer Ebene führte DoubleClick 2007 mithilfe seiner Partner ROI Research und eRewards eine Online-Befragung zur Rolle digitaler Medien bei der Kaufentscheidung durch. Dazu heißt es auf ECIN: „Mehr als die Hälfte der französischen und deutschen Befragten und zwei Drittel der Briten und Amerikaner gaben an, dass sie Suchmaschinen zur Produktrecherche nutzen“. Und laut einer Studie von Fleishman-Hillard & Harris Interactive ist Deutschland sogar die Nummer eins bei der Informationssuche im Internet.
Eine Differenzierung zwischen redaktionellen Sucheinträgen und bezahlten Sucheinträgen wurde bei den Studien jedoch nicht gemacht. Deshalb kann die betriebswirtschaftliche Relevanz von Suchmaschinenoptimierung nur näherungsweise ermittelt werden.
Drei Studien, ebenfalls aus dem Jahre 2005 und 2007, belegen, dass Suchmaschinenoptimierung mindestens die gleiche betriebswirtschafltiche Relevanz hat wie Keyword-Advertising – wahrscheinlich jedoch eine größere. Eine durch die Unternehmen Enqurio Inc., Did-it LLC und Eyetools Inc. durchgeführte Eye-Tracking-Studie zeigt, welche Bereiche in den Suchergebnissen der Suchmaschinen vom Auge am ehesten wahrgenommen werden. Die ersten drei Plätze in den Suchergebnissen werden von 100 Prozent aller Suchenden gelesen, der zehnte Platz hingegen nur noch von 20 Prozent der Besucher. Die rechtsplatzierten Werbeanzeigen haben einen noch schwereren Stand: nur 50 Prozent aller Suchenden lesen die erste Anzeige, ab dem fünften Platz sind es nur noch 10 Prozent. Unter der naheliegenden Annahme, dass nur gelesene Einträge geklickt werden, ist die Schlussfolgerung zulässig, dass die links oben stehenden Platzierungen eine höhere Klickrate und damit eine höhere betriebswirtschaftliche Relevanz haben als die unten und die rechts stehenden Platzierungen.

Bezogen auf die in Deutschland bedeutendsten Suchmaschinen google.de, MSN und Yahoo, bedeutet dieses:
Google.de – Die Keyword-Anzeigen oben haben eine doppelt so hohe Erfolgschance wie die Anzeigen auf der rechten Seite des Bildschirms. Nicht immer jedoch bietet Google dort Anzeigen an. Maximal bietet Google drei Anzeigen im oberen Bereich des Bildschirms an (Stand September 2008). Bei manchen Suchworten erscheinen jedoch nur Anzeigen auf der rechten Seite des Bildschirms. In jedem Fall haben die redaktionellen Suchmaschinenergebnisse vier bis fünf bzw., falls keine Anzeigen im oberen Bildschirmbereich angezeigt werden, die Suchmaschinenergebnisse eins bis fünf eine deutlich höhere Erfolgschance als die bezahlten Ergebnisse auf der rechten Seite des Bildschirms. Entsprechend hoch ist ihre betriebswirtschaftliche Relevanz einzuschätzen.
MSN – ist analog zu google.de zu sehen.

- Quelle: www.prweb.com/releases/2005/3/prweb213516.htm
Eye-Tracking Studie
Yahoo – Bei Yahoo ist der Sachverhalt anders. Yahoo bietet bis zu fünf Anzeigen im oberen Bildschirmbereich an. Unterhalb der redaktionellen Einträge bietet Yahoo auch nochmal Anzeigen an. Je nach Auflösung passen dann nur noch wenige redaktionelle Einträge auf den Bildschim. Entsprechend geringer ist deren Bedeutung im Vergleich zu den besser positionierten Keyword-Advertising-Einträgen. Die Bedeutung steigt, wenn weniger Keyword-Ads angezeigt werden, was bei Yahoo vom Keyword und der Buchungsdichte abhängt. Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisseite am 26.06.2008 bei der Suche nach „Rechtsschutzversicherung“ bei einer Bildschirmauflösung von 1024x768 Pixeln. Es werden im sichtbaren oberen Bereich vier bezahlte Einträge (Keyword-Ads) und nur zwei redaktionelle Einträge gezeigt.

- Quelle: www.yahoo.de
Keyword-Ads bei Yahoo!
Die zweite Studie, die belegt, dass Suchmaschinenoptimierung eine höhere betriebswirtschaftliche Relevanz als Keyword-Advertising hat, stammt von der Firma iProspect. Zwar attestiert auch diese Studie Keyword-Advertising eine immer größer werdende Bedeutung. Immerhin sehen laut Studie inzwischen 43,1 Prozent der weiblichen und 34,6 Prozent der männlichen Internet-Nutzer die bezahlten Suchergebnisse bei Suchmaschinen als relevanteste Ergebnisse an. Trotzdem werden reguläre Suchergebnisse noch deutlich häufiger angeklickt als bezahlte (vgl. iProspect Search Engine User Attitudes, Zugriff zum Erstellungszeitpunkt unter www.iprospect.com/premiumPDFs/iProspectSurveyComplete.pdf). Allerdings variiert das Nutzerverhalten in Abhängigkeit von der genutzten Suchmaschine. Laut der Studie klicken die Nutzer bei MSN bevorzugt auf bezahlte Suchergebnisse (71,2 Prozent). Bei Google ist dies genau umgekehrt. Hier klicken 72,3 Prozent der Nutzer bevorzugt auf redaktionelle, organische Links. Bei Yahoo sind es immerhin noch 60,8 Prozent, die die redaktionellen Links den gekauften Keyword-Ads vorziehen“.
Eine in 2007 von B. Jansen und M. Resnick durchgeführte Studie (vgl. An Examination of Searchers´s Perceptions of Nonsponsored and Sponsored Links During Ecommerce Web Searching, ist.psu.edu/faculty_pages/jjansen/academic/pubs/sponsored_links_jansen.pdf) kommt zum Ergebnis, dass Nutzer von Suchmaschinen oft skeptisch und misstrauisch gegenüber Keyword-Ads sind und deren Relevanz häufig geringer einschätzen. Demzufolge kommt es zu einer Konzentration auf organische Resultate. Allerdings wurde diese Studie mit nur 56 Probanden im Alter zwischen 18 und 29 durchgeführt. Um die Relevanz organischer Resultate im Vergleich zu Keyword-Ads genauer einschätzen zu können, sind sicherlich größer angelegte Studien erforderlich.
Obwohl diese Studien belegen, dass Suchmaschinenoptimierung mindestens die gleiche betriebswirtschafltiche Relevanz hat wie Keyword-Advertising, investieren meiner Beobachtung nach viele Unternehmen in Deutschland eher in Keyword-Advertising, als in Suchmaschinenoptimierung. Das mag daran liegen, dass der Markt für Suchmaschinenoptimierung undurchsichtig ist und sich dort viele Scharlatane tummeln. Doch es gibt auch viele seriöse Anbieter. Und natürlich besteht auch die Möglichkeit, Suchmaschinenoptimierung in Eigenregie zu erbringen, weshalb diese interessante Online-Marketing Disziplin nicht vernachlässigt werden sollte.
Vor- und Nachteile von Suchmaschinenoptimierung gegenüber Keyword-Advertising
Suchmaschinenoptimierung hat gegenüber Keyword-Advertising eine völlig andere Kosten-Nutzen-Auswirkung. Beim Keyword-Advertising verursacht jeder Klick Kosten. Bei einem durch Suchmaschinenoptimierung erreichten Klick ist dieses nicht zwingend der Fall.
Ein weiterer Vorteil der Suchmaschinenoptimierung liegt in der deutlichen Erhöhung des Chancenpotenzials, wie die im vorangegangenen Kapitel angesprochenen Studien eindeutig belegen.
Demgegenüber steht der Nachteil, dass die Früchte der Arbeit von Suchmaschinenoptimierung häufig erst Monate nach deren Durchführung zu einem Ergebnis führen; hingegen können Keyword-Anzeigen innerhalb von Stunden platziert werden.
Die Frage, ob Suchmaschinenoptimierung kostengünstiger ist als Keyword-Advertising, kann nicht pauschal beantwortet werden. Dies hängt von der Konkurrenzlage bei den relevanten Suchbegriffen und dem damit zusammenhängenden Aufwand für eine Optimierung ab, sowie von den Preisen, die für Keyword-Anzeigen zu zahlen sind.
Einen optimalen Output können Unternehmen jedoch nur erreichen, wenn sie sowohl Suchmaschinenoptimierung als auch Keyword-Advertising betreiben. Aufgrund der in den folgenden Kapiteln angesprochenen Spamming- und Affiliate-Problematik gibt es mittlerweile eine Reihe Nutzer von Suchmaschinen, die grundsätzlich zunächst auf bezahlte Platzierung klicken, da sie hierdurch schneller zu einem relevanten Ergebnis gelangen. Andererseits gibt es immer noch Heerscharen von Internetnutzern, die das Anklicken von Keyword-Anzeigen nach Möglichkeit vermeiden und organische Links bevorzugen.
Suchmaschinenoptimierung: Marktentwicklung und Anbieterstruktur
Im Gegensatz zum Keyword-Advertising, für das es aufgrund der Bilanzierungspflicht der Suchmaschinen-Betreiber relativ genaue Angaben über Marktgröße und Marktwachstum gibt, sind die Aussagen über die Marktentwicklung in Bezug auf Suchmaschinenoptimierung ausgesprochen schwierig. Es gibt kaum repräsentative Studien. Der Markt ist noch sehr jung und zersplittert.
Das Marktpotenzial ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jedoch noch sehr hoch. Zwar gibt es neuere Studien (vgl. BVDW-Studie zu Suchmaschinen-Marketing und Suchmaschinenoptimierung, www.bvdw.org) aus 2008 die besagen, dass 50 Prozent der befragten Unternehmen bereits seit ein bis drei Jahren Keyword-Advertising und Suchmaschinenoptimierung einsetzen, doch stellt sich hier eher die Frage nach dem „wie“? Denn laut einer nicht repräsentativen Studie der Firma Links & Law (vgl. http://www.linksandlaw.de/) wiesen noch 2005 lediglich sechs Prozent aller Unternehmenswebsites eine gelungene Suchmaschinenoptimierung auf. Meiner Beobachtung nach ist das nicht wesentlich besser geworden. Weitere Studien aus dem Jahre 2005 deuten ebenfalls auf ein ausgesprochen hohes Marktpotenzial hin. Laut einer Studie der Firma Bloofusion, Germany, bei der 500 deutsche Unternehmenswebsites untersucht wurden, erfüllten 2005 nur 12 Prozent die Minimalkriterien einer guten Suchmaschinenoptimierung (vgl. http://www.bloofusion.de/news-artikel/standpunkt/seo-studie-2005/seo-studie-2005.pdf). Studien aus dem Nachbarland Österreich kamen zu einem ähnlichen Ergebnis (vgl. http://www.webperfect.at/suchmaschinen-marketing/download/studie-suchmaschinenoptimierung.pdf).
Aussagen über die aktuelle Marktgröße können mit Stand August 2008 nicht gemacht werden, da entsprechende Untersuchungen nicht vorliegen.
Aufgrund der stark gestiegenen betriebswirtschaftlichen Relevanz von Top-Positionen in marktführenden Suchmaschinen ist es nicht verwunderlich, dass im vergangenen Jahr in Deutschland unzählige Anbieter für Suchmaschinenoptimierung und Keyword-Advertising entstanden sind und weitere entstehen. Der Markt ist insgesamt jedoch noch sehr jung und undurchsichtig. Es gibt Anbieter, die sich nur auf Suchmaschinenoptimierung spezialisiert haben, Anbieter, die Suchmaschinenmarketing (Keyword-Advertising und Suchmaschinenoptimierung) betreiben, Anbieter, die die gesamte Online-Marketing-Palette abdecken und Internetagenturen, die neben der Erstellung von Internetseiten auch Online-Marketing inklusive Suchmaschinenoptimierung anbieten. Welcher Typus Anbieter für eine individuelle Problemstellung die beste Wahl ist, hängt vom Einzelfall ab. Schlussendlich ist nicht nur die Hinführung des Besuchers auf eine Website wichtig, sondern vor allem auch die Herbeiführung der gewünschten Handlung auf der Website (Conversion). Diesbezüglich haben Internetagenturen sicherlich eine gute Ausgangsbasis, denn dies war und ist schlussendlich das Kerngeschfäft einer Internetagentur. Dennoch belegt die inflationäre Entwicklung von Spezialanbietern, dass auch ohne tief greifende Kenntnis der technischen und inhaltlichen Gegebenheiten einer Website mit Suchmaschinenoptimierung Geld zu verdienen ist. Eine Suche in google.de nach den Wörtern „Suchmaschinenoptimierung“, „web-ranking“ oder „web promotion“ ist der beste Beleg.
Zweifelhaft sind Angebote von so genannten Eintragsdiensten. Diese Dienstleister versprechen die Eintragung von Webseiten in hunderte oder gar tausende von Suchmaschinen und Verzeichnissen. Die Leistung wird in der Regel für 25 bis wenige hundert Euro angeboten. Zweifelhaft sind solche Angebote deshalb, weil die Relevanz und der Nutzen der Eintragungen angesichts der in den vorangegangenen Kapiteln erörterten Marktmacht von google.de, MSN und Yahoo gegen null gehen dürften.
