Google und die Wirtschaftskrise

Habe neulich im Amerikanischen SEO-Magazin “SearchMarkeing standard” (ja, sowas gibts in den USA wirklich) einen interessanten Artikel zum Thema: Google und die Wirtschaftskrise gelesen. Hier eine sehr grobe Übersetzung.

Die Erfolgsstory von Google ist unbestritten. Zuerst überholte Google alle seine Mitbewerber und wurde zu einer Großmacht im Internet. Google’s Wachstumsraten ließen nicht nur die Mitbewerber Jahr für Jahr vor Neid erblassen. Doch die Finanzkrise hat nun auch Google erreicht.

Im Januar dieses Jahres wurden erstmals 100 Mitarbeiter aus dem Bereich Human Ressources entlassen. Im März folgte die Entlassung von 200 Mitarbeitern aus dem Marketing und kurz darauf wurden bei der Google Tochter Double Click weitere 300 Mitarbeiter entlassen. Zusätzlich zu diesen Entlassungen wurden mehrere hundert Verträge mit Freelancern nicht verlängert und die Weiterentwicklung diverser Anwendungen wie Google Notebook oder Google Katalogsuche eingestellt.

Ganz offensichtlich sind die Folgen der Finanzkrise auch bei Google angekommen. Nicht nur die Nachrichten über Entlassungen und Einstellungen von Projekten weisen darauf hin. Wenn man eng mit Google zusammenarbeitet, konnte man schon früher erkennen, dass auch bei Google ein gewisser Kostendruck entstanden ist. Vor etwa neun Monaten begann das Agenturteam von Google, ausgesprochen aktiv zu werden. Sie riefen Ad-Words-Agenturen an und boten ihre Hilfe bei der Optimierung von Kampagnen an. Schlussendlich natürlich auch, um herauszufiltern, ob in dem einen oder anderen Fall die Erhöhung des AdWords-Budgets nicht eine sinnvolle Maßnahme wäre. Ohne Zweifel ist man bei Google sensibilisiert für mögliche Folgen der Wirtschaftskrise. Eine interessante Frage ist nun, wie geht es weiter, wenn die AdWords-Umsätze als Folge der Wirtschaftskrise stagnieren oder weiter zurückgehen?

Google ist in einer gewissen Weise ein sehr außergewöhnliches Phänomen. Ganz bewusst wird eine sehr lockere Unternehmenskultur gepflegt. Nicht selten wird Google als “happy Company” in Insiderkreisen bezeichnet. Natürlich ist es relativ einfach, “happy” zu sein, wenn die Umsätze und die Gewinne jedes Jahr steigen und die Mitarbeiter zahlreiche kostenlose Annehmlichkeiten wie Massagen und kostenfreie Verpflegung erhalten.

Auch Googles 20-Prozent-Zeit-Politik dürfte relativ unique sein und einen starken Beitrag zum “happy-Image” von Google leisten. Die 20-Prozent-Zeit-Politik besagt, dass Google’s Softwareingenieure während der Arbeitszeit 20 Prozent ihrer Zeit an eigenen Projekten und Ideen arbeiten dürfen. Einerseits ist diese Politik ein sehr teuerer Luxus, andererseits hat sie aber auch zu Entwicklungen wie Google Mail, Google News und Adsense geführt. Bei Google war man immer stolz darauf, eine untypische, unkonventionelle Unternehmenskultur zu haben.

Bis dato hat sich diese Unternehmenskultur bewährt. Die Frage ist nun, ob sich Google auch bei sinkenden Wachstumsraten, möglicherweise bei rückläufigen Umsätzen diese Unternehmenskultur inklusive der 20-Prozent-Zeitpolitik noch leisten kann. Diesbezüglich steckt Google in einer großen Zwickmühle. Sollte Google gezwungen werden, aufgrund von Kostendruck weitere Entlassungen durchzuführen oder gar die bisher gültige 20-Prozent-Zeitpolitik anzugreifen, so wäre mit Sicherheit eine deutliche Änderung der Unternehmenskultur und auch der Innovationskraft von Google die Folge. Jeder, der schon einmal in einem Unternehmen gearbeitet hat, in dem Entlassungen durchgeführt wurden, weiß, dass solche Maßnahmen Unsicherheit, Misstrauen und großes Unbehagen unter den verbleibenden Mitarbeitern auslösen. Wäre dies dann das Ende der positiven Energie bei Google? Das Ende der “Happy Company”?

Sicherlich gibt es in der jüngeren Vergangenheit Beispiele dafür, dass Unternehmen weit Schlimmeres bewältigt und überstanden haben, als die aktuelle Wirtschaftskrise. Apple ist ein solches Beispiel. Trotz vieler Krisen und einer Beinahe-Insolvenz steht das Unternehmen heute wieder hervorragend da. Schlussendlich auch deshalb, weil es trotz Krisen eine innovative und kreative Unternehmenskultur bewahren konnte. Es wird sicherlich spannend, zu beobachten, wie Google die Herausforderungen eines erhöhten Kostendrucks aufgrund der Wirtschaftskrise meistert und, ob es Google gelingt, unter den verschärften Bedingungen die erfolgreiche Unternehmenskultur zu bewahren, die es groß gemacht hat.

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