Trusted Shops Siegel ein Reinfall II – Zertifizierung hat nicht den erhofften Effekt gebracht

Schon lange orakelt die Branche darüber, was wirklich dran ist an den vollmundigen Versprechen der Gütesiegelanbieter wie Trusted Shops und Co. Ihr Leistungsversprechen ist es, durch die Zertifizierung und das Anbringen eines entsprechenden Gütesiegels ein besseres Vertrauensverhältnis zum Shop-Besucher zu schaffen und dadurch den Umsatz im Shop zu steigern. (Quelle: E-Strategy, Ausg. 4, S. 78). Teilweise ist von Umsatzsteigerungen von bis zu 30 Prozent die Rede. Manche Siegel-Anbieter belegen solche Zahlen durch vermeintlich unabhängige Studien. Mit einem Langzeittest habe ich nun untersucht, was dran ist an den vollmundigen Versprechen der Gütesiegelanbieter. Ergebnis: Nicht immer bringen Gütesiegel den erhofften Erfolg. Dass Trusted Shops Gütesiegel aus dem Langzeittest war bei meinem Shop ein Flop. Mehr Umsatz machte lediglich Trusted Shops. Nicht aber ich als Shop-Inhaber.

Untersuchungsmethode

Über einen Zeitraum von 16 Monaten (März 2009 bis einschließlich Juni 2010) wurde den Besuchern des Internet-Shops www.az61.de zu 50 Prozent ein Shop mit Trusted-Shops-Siegel gezeigt und zu 50 Prozent ein Shop ohne Trusted-Shops-Siegel. Dank der Multi-Shop-Fähigkeit des eingesetzten Shop-Systems Magento war dies ohne Probleme und mit technisch verhältnismäßig geringem Aufwand möglich. Magento verfügt über die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Store Views zu arbeiten. Diese Store Views können theoretisch vollkommen unterschiedlich gestaltet sein – sie können aber auch exakt identisch gestaltet sein, bis auf das fehlende Gütesiegel in einem der beiden Shops. Damit wiederkehrende Besucher nicht einmal einen Shop mit Gütesiegel und beim Zweitbesuch einen Shop ohne Gütesiegel gezeigt bekommen, wurde beim Erstbesuch ein Cookie gesetzt. Ein Cookie ist eine winzig kleine Datei, die auf den Rechner des Besuchers gespeichert wird und lediglich die Information „Shop 1“ oder „Shop 2“ enthält. Gelangt der Benutzer zum zweiten Mal auf die Shop-Webseite, so wird über eine Weiche anhand des Cookies festgelegt, ob der Besucher zum Shop mit Store View 1 oder zum Shop mit Store View 2 geleitet wird. Ist kein Cookie vorhanden, so wurde eine 50:50-Verteilung vorgenommen. Einfach ausgedrückt: Es wurde dafür Sorge getragen, dass jeder Store View die Hälfte der Besucher erhielt und auch bei Folgebesuchen auf dem Store View landete, dem er beim ersten Besuch zugeordnet wurde. Im Grunde genommen könnte man dieses Vorgehen als klassischen A/B-Test bezeichnen.



Ergebnis des Langzeittests

Das Ergebnis des Langzeittests war im Grunde genommen erschreckend. Die Auswertung der Zahlen zeigte deutlich, dass das Trusted-Shops-Siegel praktisch keinen Effekt hatte. Beide Store Views hatten annähernd die gleiche Besucherzahl und erwirtschafteten annähernd den gleichen Umsatz. Die folgende Tabelle zeigt die Anzahl der Besucher je Store View sowie den erzielten Umsatz in Prozent. Eine Analyse der gekauften Produkte je Store View ergab ebenfalls keine eklatanten Unterschiede. Die Reihenfolge der Top Seller in beiden Store Views war identisch.

BesucherSeitenaufrufe                      % vom Umsatz
Store View 162031214226                                  49,7%
Store View 261197214226                                  50,3%

Abschließende Wertung Natürlich ist der vorgenommene Langzeittest nicht repräsentativ. Es wurde lediglich der Effekt des Trusted-Shops-Siegel für einen Shop untersucht, der natürlich bestimmten Charakteristika unterlag. Die im Shop angebotenen Produkte waren vergleichsweise niedrigpreisig, der Shop selbst macht einen sehr soliden und aufgeräumten Eindruck – er basiert auf modernster Technologie, gängige Zahlungsmethoden wurden angeboten und eine SSL-Verschlüsselung der Datenübertragung war gegeben. Im Grunde kann auf Basis der Ergebnisse des Langzeittests zunächst nur festgehalten werden, dass es mit Sicherheit bestimmte Shop-Typen und Shop-Arten gibt, die ohne ein Gütesiegel genauso viel Umsatz machen, wie mit Gütesiegel. Dafür spricht auch, dass ich über meinen Blog zahlreiche Zuschriften erhalten habe, aufgrund einer Vorveröffentlichung zu diesem Artikel, die bestätigten, dass auch bei ihrem Shop das Trusted-Shops-Siegel keinen positiven Effekt erwirkt hatte. Leider kann aufgrund des durchgeführten Langzeittests keine Aussage darüber gemacht werden, bei welchem Typus Shop oder bei welchem Typus Produkt oder ab welchem Preisniveau ein Gütesiegel tatsächlich einen positiven Effekt erwirkt, der auch wirtschaftlich ist. Der Aspekt der Wirtschaftlichkeit muss in diesem Kontext besonders hervorgehoben werden, denn die Anbieter von Gütesiegeln vergeben das Siegel selbst ja nur gegen eine monatliche Gebühr. Diese Gebühr steht häufig in einem Zusammenhang mit dem im Shop erwirtschafteten Umsatz. Manche Anbieter verlangen neben der monatlichen Gebühr auch eine einmalige Einrichtungs- und Zertifizierungsgebühr. Diese Kosten rechnen sich natürlich nur dann, wenn auf Basis des Gütesiegels auch tatsächlich ein Mehrumsatz erwirtschaftet wird. Hiermit aber noch nicht genug. Schlussendlich muss aus dem erwirtschafteten Mehrumsatz ein zusätzlicher Gewinn resultieren, der höher ist als die Einrichtungskosten und die laufenden Gebühren für die Nutzung des Gütesiegels. Aufgrund des durchgeführten Langzeittests lässt sich nicht widerlegen, dass Gütesiegel einen positiven Effekt auf den Umsatz eines Internet-Shops haben können. Es kann jedoch die begründete These aufgestellt werden, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Vielzahl von Online-Shops gibt, die ohne Gütesiegel genauso viel Umsatz machen, wie mit Gütesiegel und die sich dem zur Folge die Gebühren für das Gütesiegel sparen könnten.

Update 26.08.2011 Auch eine Unabhängige Onlien-Umfrage aus dem Jahre 2011 kommt zu einem Ergebnis, welches die Bedeutung von Gütesiegeln nicht gerade untermauert. An dieser repräsentativen Befragung von Ears and Eyes (http://www.earsandeyes.com/de/) nahmen 1.188 Internetnutzer ab 18 Jahren teil. Aus der Umfrage geht hervor, dass die Qualitätssiegel noch nicht zu den Top-3-Kriterien zählen, an denen der deutsche Verbraucher die Vertrauenswürdigkeit eines Online-Shops festmacht. Als wichtigstes Kriterium wurde eine alternative Zahlungsmöglichkeiten zur Vorkasse angegeben (64 Prozent). Das Kleingedruckte und besonders das Thema Datensicherheit (SSL-Zertifikat) belegte mit 59 Prozent Platz zwei der Nennungen. Bei der jüngeren Ziegruppe viel besonders der subjektive Aspekt „mein Gefühl vom Gesamteindruck“ ins Gewicht (53 Prozent).

Update Dez. 2014  –  noch ein A/B Test für das Trusted Shops Gütesiegel 

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Auch interessant: Ab welchem Umsatz rechnet sich ein Gütesiegel?

Wann rechnet sich ein Gütesiegel? Lohnt sich die Investition? Um dies Fragen beantworten zu können habe ich ein Modell in Form einer What-If-Analyse erstellt. Das Modell habe ich in einer Exceltabelle abgebildet in die man alle relevanten Zahlen eingegeben kann. Mit Zahlen, die nicht bekannt sind kann man „spielen“. Auf diese Weise kann in einer Art „What-If-Analyse“ ermittelt werden, unter welchen Bedingungen/Annahmen die Investition in ein Gütesiegel wirtschaftlich sinnvoll ist. Das Modell biete ich hier gerne zum kostenlosen Download an. Oder sagen wir einmal fast kostenlos – denn ein Facebook-Share oder ein Tweet sollte schon drin sein :). Hier geht es zum Artikel und zum Download des Modells.

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86 Gedanken zu „Trusted Shops Siegel ein Reinfall II – Zertifizierung hat nicht den erhofften Effekt gebracht“

  1. Ich glaube, dass es relativ egal ist welches Siegel es ist. Dementsprechend verwenden auch viele Shops einfach ein rundes Logo, dass sie oft selbst entworfen haben und eigentlich keinerlei Aussagekraft haben. Aber die Käufer mögen ein Siegel auf dem Shop sehen. Die Kunden die wirklich interesse haben, verwenden Google Bewertung oder Social Media wie z.b. Facebook.
    Leider glaube auch ich, dass ein Siegel nicht schlecht ist, aber ob das die Preise von 100 – 300€ im Monat finde ich nicht gerechtfertigt.

    1. Hallo,
      ich halte von dem TrustedShops nun nichts mehr.
      Solange nichts passiert ist alles Ok, aber wehe wenn etwas eintrifft und man den Käuferschutz Antrag stellt.
      In meinem Fall hat es erstmal ewig gedauert, warum auch immer, den so wie ich das sehe kümmert sich da niemand.
      Es wird in meinen Augen nur gewartet bis man etwas hat um es abzulehnen, und in meinem Fall ist die Ablehnung sowas von unlogisch und unbegreiflich das man schon sagen muss wie kann man den mit so einem Grund etwas ablehnen.
      Ich habe Ware gekauft und musste sie selbst zurück senden und Bezahlen, bis dahin Ok, aber der Verkäufer dachte sich wohl ich verdiene mir mal noch was oder ich ziehe dem noch was ab das er keine kosten hatte oder etwas verdienen wollte keine Ahnung, ich bekam eben nur einen Teilbetrag ohne Begründung zurück.
      Käuferschutz beantragt, wurde Abgelehnt mit der Begründung (Kopiert)

      Wir haben Ihren Erstattungsantrag nicht genehmigt.
      Die Kosten der Rücksendung bei einem Widerruf sind vom Käufer zu tragen.
      Aus diesem Grund können wir durch die Absicherung von Trusted Shops leider keine Erstattung anbieten.
      Wir entschuldigen uns für die Umstände.

      Also wenn man Geld verdienen will dann anscheinend so, etwas verkaufen, es sich zurück schicken lassen und nur einen Teil zurück Bezahlen. Muss man TrustedShops Antwort verstehen ? ich glaube nicht
      Und ich habe die Ware und dem Fall im April 2020 gehabt und es wurde erst am 21.08.2020 entschieden, die Zeit und der Stress ist es wirklich nicht wert, und Geld dort noch rein werfen würde ich gleich vergessen.
      Es wäre mal sehr schön wenn man eine Seite auf macht um solche Absicherung Shops zu bewerten, leider hat mir Google nicht wieder gegeben Außer diese Seite.
      Und wirkliche Erfahrungen und Test an solchen Shops sind keine eigenen langzeit test sondern ein Bewertungsportal in dem man ersehen wie viel Erstattungen auf wie viel Anträge wurden geleistet und wie viel Ablehnungen sind erfolgt und auch aus welchen Gründen.
      Danach kann man etwas Einschätzen, den bei dem einen oder anderen mag es ja gut gehen, aber was macht es bei der masse aus und welche wurden nur aus Frust einer Ablehnung erstellt.
      Ich habe zwar auch Frust, aber wenn ich was Bezahle und einen Angeblichen Käuferschutz habe, dann müsste ich zu mindest meinen Kaufbetrag erstattet bekommen wenn ich schon den Versand selbst Bezahlen muss und nicht noch als Belohnung einen Abzug vom Kaufbetrag bekomme weil ich so nett War und die Rücksendung selbst Bezahlt habe.
      Da glaube ich bekommt jeder Frust bei so einer unlogischen Käuferschutz Ablehnung.
      Gruß Detlef

  2. Hallo Herr Lammanett,

    vielen Dank für Ihre Mühe und die Informationen im Artikel.

    Wir als Agentur und Trusted Shops Partner haben schon einige Partnerschaften mit Bewertungsanbietern hinter uns und aus unserer Sicht kommt es ganz stark auf die sinnvolle Integration an. Nur das Siegel und den Badge einzublenden führt noch lange nicht zu mehr Conversion.

    Erst mit Einbettung des Widget und den Bewertungen als Slider wird aus unserer Sicht ein „Schuh” draus. WIr haben nämlich genau die selbe Feststellung gemacht, wie Sie auch.

    Eine sinnvolle und gut genutzte Integration findet man z.B. unter http://www.ladebordwand-ersatzteile.de Hier wird das Widget im Checkout (Warenkorb & Kasse) angezeigt und bietet somit die beste Darstellung und schafft Vertrauen.

    Die Rich Snippets und der Käuferschutz sind zusätzliche Argumente die bereits bei Ads und in der organischen Suche die Klickrate beeinflussen. Dies wird hier leider nicht genau betrachtet.

    Neben den reinen Bewertungen ist aber vor allem der Rechtstexter und der Abmahnschutz eines der Hauptargumente und Alleinstellungsmerkmale von und für Trusted Shops.

    Bei Fragen stehe ich Ihnen auch gerne persönlich zur Verfügung.

    Wir haben nebem einen Interview auch viele Infos für Käufer und Händler zusammen gestellt:
    https://www.pictibe.de/trusted-shops-siegel-erfahrung-test-bewertung-kaeuferschutz/

    Mit besten Grüßen,
    Florian

    1. Florian – ich lasse Deinen Kommentar jetzt hier mal stehen, obwohl er meiner Meinung nach extrem werblich ist und auch Backlinks zu Deinem Web enthält. Letztlich lebt ihr ja davon, TrustedShops Siegel zu verkaufen. Ich halte Deinen Beitrag daher nicht für neutral. Und wenn Du mal durch die über 80 Kommentare zu diesem Post liest, wirst Du feststellen dass die Erfahrungen die ich im Langzeittest gemacht habe identisch sind den Erfahrungen der meisten Leser. Letztlich enthält Dein Kommentar neben der Eigenwerbung aber auch konstruktive Hinweise, daher gebe ich den hier jetzt frei.

      1. Die Agentur bekommt Provision für die Vermittlung neuer Kunden. Klar, dass man dann positiv spricht. Na ja, gerade soeben lief ein Beitrag beim RTL Morgenmagazin und da hebt man Trusted Shops sowie andere Bewertungsportale auch nicht in den Himmel. Meinen neuen Webshop werde ich nicht zertifizieren lassen. Selbst die angebliche Rechtsprüfung vor Vergabe des Spiegels ist nicht in Ordnung, wie RTL soeben berichtete. Viel zu teuer für eigentlich wenig Leistung

      2. …meine Rede. In meinem Langzeit-Tests hat das Siegel rein gar nichts gebracht. Wg. der Rechtsprüfung würde ich mir mal den Händlerbund ansehen. Ich war ja 17 Jahre Geschäftsführer einer Internetagentur (die habe ich vor 5 Jahren verkauft) – jedenfalls hatte ich damals etliche Shop-Kunden, die sehr positiv über den Händlerbund gesprochen haben.

  3. Aus Kundensicht hat das Siegel auf jedenfall für mich verloren. Ein VK hat mangelhafte Ware geliefert und war nicht bereit, über das Problem mit mir zu kommunizieren. Nach der Retoure habe ich werder Erstattung noch Nachbesserung erhalten.
    Von Trusted Shops gibt es dazu zwar massenhaft Schriftverkehr und die zusicherung des VK, dass er nachbessern wird. Macht er seit 4 Wochen aber nicht.

    Also nix von Käufer-Seite mit Vertrauen. Ich brauche Trusted Shops nicht und es ist für mich auch keine Aufwertung für einen Shop, wenn er dieses Siegel führt.

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