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Interessantes Whitepaper zu Amazon

Unter der Überschrift „Wie Amazon Marken zerstört – oder warum Marken ihre Kundenschnittstelle neu besetzen müssen“ ist heute ein interessantes Whitepaper bei iBusiness.de erschienen. Es geht um die Veränderung der Wettbewerbsverhältnisse im Online-Marketing durch die Digitalisierung. Großen Online-Plattformen wie Google, Amazon, Facebook und Apple erhalten immer mehr Zugang zum Kunden – Marken und Händler immer weniger. Sie sind zum Gatekeeper zwischen Marke und Konsument geworden. Sie bestimmen, schreiben vor, beeinflussen und besetzen in der Customer Journey oft als Erste die kaufentscheidende Kundenschnittstelle. Marken und Händler müssen sich daher genau überlegen, wie sie mit diesem Thema umgehen wollen und welche Strategien sie fahren möchten, um letztlich nicht austauschbar zu werden. Hier der Link zum Whitepaper:
https://www.ibusiness.de/members/lib/files/Voycer_Dossier_Wie_Amazon_Marken_final.pdf.html

Praxiswissen Online-Marketing 7. Auflage erschienen

Praxiswissen Online-Marketing 7. AuflagePraxiswissen Online-Marketing ist mittlerweile ein Standardwerk für digitales Marketing in Deutschland. Aktuell gibt es kein anderes Buch am Markt, welches das Marketing so umfassend aus der Perspektive eines Praktikers behandelt. 2006 erschien die erste Auflage. Seither ist extrem viel passiert. Immer kürzer werden die Entwicklungszyklen. Wer dieses Buch aufmerksam liest, dem wird nicht nur jede Menge Praxiswissen vermittelt. In vielen Kapiteln wird auch auf die Entwicklungen der letzten Jahre eingegangen und damit eine Einordnung und ein tieferes Verständnis der Gesamtzusammenhänge ermöglicht. Denn, um es mit den Worten von Helmut Kohl zu sagen: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“

Die Pflege eines Buches, welches mittlerweile rund 600 Seiten hat, ist nicht einfach. Kurzzeitig habe ich mit dem Gedanken gespielt, die Inhalte auf zwei Bücher aufzuteilen in ein Buch mit eher wissenschaftlichem Hintergrund und einen reines Praxisbuch. Auf Anraten des Verlages habe ich diese Idee wieder verworfen. Daher ist mit der 7. Auflage ein umfassendes Kompendium entstanden, welches alle Teildisziplinen des Online-Marketings aus unterschiedlichen Blickwinkeln behandelt. Es sind neue Kapitel hinzugekommen, wie etwas das Influencer-Marketing, welches zum Zeitpunkt der Erstellung der 6. Auflage zwar schon ein Hype war – jedoch war damals noch unklar, ob dieser Hype Bestand haben wird. Zu oft waren in der Vergangenheit Themen gehypt worden, die sich dann später als Rohrkrepierer entpuppten. Daher hatte ich damals auf eine Integration verzichtet. Doch nun ist klar: Influencer-Marketing wird trotz aller Schwierigkeiten Bestand haben. Manche Kapitel sind sehr umfassend ergänzt worden, wie beispielsweise „Content-Marketing“, in dem ich viele Hinweise für die praktische Arbeit und etliche neue Tipps implementiert habe. Andere Kapitel habe ich etwas gekürzt und Inhalte in Screencasts oder Servicelinks ausgelagert, weil diese sich auf der Detailebene zu schnell ändern.

Online-Marketing-Konzeption - 2019: Der Weg zum optimalen Online-Marketing-Konzept. Trends und Entwicklungen. Teildisziplinen wie Affiliate-Marketing, ... Media, Online Werbung, SEA, SEO, u. v. a. m.

Schluss mit der Verschwendung von Marketingbudgets. Online-Marketing-Konzeption-2019 lesen!

Online-Marketing-Konzept

Ein Online-Marketing-Konzept ist ein durchdachter Fahrplan. Dieser Fahrplan ermöglicht den optimalen Einsatz von Marketingbudgets vor dem Hintergrund zuvor definierter Ziele. Der Prozess der Online-Marketing-Konzeption beschreibt den Weg zum Konzept.

Schluss mit der Verschwendung von Marketingbudgets. Heute ist die neue Auflage meines Bessellers „Online-Marketing-Konzeption“ erschienen. Auch im vergangenen Jahr hat sich wieder viel getan im Online-Marketing. Google hat den Mobile-First-Index eingeführt und AdWords in Google Ads umbenannt. Amazon stellt Vendor Express ab Januar 2019 ein. Facebook integrierte den Atlas AdServer in die eigenen Lösungen und stellt Atlas als eigenständiges Produkt ein. YouTube verbessert die Werbemöglichkeiten um interessante Performance-Aspekte – um nur einige Beispiele zu nennen. Darauf habe ich natürlich reagiert und heute die vierte Auflage meines Buches „Online-Marketing-Konzeption“ vorgelegt. Die Auflage 2019 wurde gründlich überarbeitet. Sie verfügt, aufgrund eines Leserhinweises, nun über QR-Codes, mit deren Hilfe die Zusatzinhalte und die zum Buch gehörenden Screencasts „vom Sofa aus“ mit dem Handy oder dem Tablet genutzt werden können.

Besonderen Widerhall fand in den vorangegangenen Auflagen das Kapitel »Das Controlling-Konzept als Bestandteil der Online-Marketing-Konzeption«. Eine wirklich gute Online-Marketing-Konzeption verbessert ihre Ergebnisse permanent selbst. Um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess zu erreichen, muss es zwingend ein aussagefähiges Controlling und ein regelmäßiges Reporting geben. Es ist daher ausgesprochen sinnvoll, bereits während der frühen Phasen der Online-Marketing-Konzeption darüber nachzudenken, wie das Controlling im Detail aussehen muss, um den Effekt eines »permanenten Verbesserungsprozesses« zu erreichen. Anlässlich der zahlreichen positiven Leser-Rückmeldungen zu diesem Gedanken, habe ich die entsprechenden Vorschläge in der 4. Auflage verfeinert und weiter ausgearbeitet.

Mein Buch gibt es bei Amazon:

 

 

und bald auch bei KNV https://shop.buchkatalog.de/, sowie im stationären Buchhandel.

3-Amazon-Programme

Ist Amazon eine Suchmaschine? Oder was?

Update Janaur 2019

2015 war das Jahr von Amazon als Suchmaschine. Im Laufe des Jahres erschienen ein gutes Dutzend Artikel und Blogbeiträge mit Titeln wie: „Amazon – das neue Google“ oder „Amazon – vom virtuellen Marktplatz zur meistgenutzen Suchmaschine“. Zwei Studien aus dem Jahr 2015 begründen diese Entwicklung. Lt. Forrester starten 39 Prozent der US-Verbraucher den Online-Kauf eines Produktes bei Amazon.[1] Eine Studie von BloomReach aus dem gleichen Jahr kam sogar auf 44 Prozent.[2] In den vergangenen beiden Jahren scheint sich dieser Trend verstärkt zu haben. In einer jüngeren Befragung der Exeo Strategic Consulting sagten 53 Prozent: Wenn sie Produkte kaufen wollen, würden sie sich generell zuerst bei Amazon informieren. Nur 21 Prozent nannten Google. Eine von Diva-e im Dezember 2018 veröffentlichte Studie ergab sogar, dass 82 Prozent aller Deutschen ihre Suche nach Weihnachtsgeschenken direkt bei Amazon starten. Das ist Grund genug, sich das Phänomen „Amazon als Suchmaschine“ einmal genauer anzusehen.

Amazon wird für die Produktsuche in vielen Branchen immer wichtiger. „Das war vor fünf Jahren noch anders. Mittlerweile überlegen sich viele Onlinehändler, ob sie einen eigenen Onlineshop aufmachen oder ihre Produkte nur bei Amazon anbieten. Werden Produkte nur bei Amazon angeboten, so erübrigen sich im Online-Marketing-Mix Disziplinen wie Suchmaschinenoptimierung oder Affiliate-Marketing. Stattdessen müssen sich Händler, die sich für Amazon und gegen einen eigenen Onlineshop entschieden haben, mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Produkte innerhalb von Amazon prominent platzieren können. Denn das Angebot bei Amazon ist gigantisch. Einfach nur Produkte einstellen wird in den seltensten Fällen zum Erfolg führen.“[3]

Was genau ist Amazon?

Amazon startete 1995 als kleiner Online-Buchhandel. Heute ist Amazon weit mehr als das. Heute ist Amazon eine gigantische Handelsmaschinerie mit teilweise erschreckender Marktmacht. Aufgrund dieser Marktmacht ist Amazon heute in vielen Märkten auch eine Suchmaschine für Produkte. Aber der Reihe nach:

Gegründet wurde Amazon 1994 von Jeff Bezos. Etwa ein Jahr nach Gründung ging Amazon zunächst für ausgewählte Kunden in den Testbetrieb. Im Juli 1995 wurde das erste Buch an einen externen Kunden verkauft. Zwei Monate nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit nahm Amazon pro Woche rund 20 000 US-Dollar ein. Etwa ein Jahr nach dem Verkauf des ersten Buches erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 15,7 Millionen US-Dollar. 1997 ging Amazon an die Börse und erzielte knapp 150 Millionen US-Dollar. Amazon hatte nun genügend Kapital für den weiteren Ausbau.

Trotz diverser Rückschläge, beispielsweise durch das Platzen der Internetblase um das Jahr 2000, entwickelte sich Amazon in den folgenden 20 Jahren zu einem gigantischen, innovativen Handelsunternehmen. Heute agiert Amazon weltweit und erwirtschaftet einen Umsatz von über 100 Milliarden US-Dollar. Amazon hat sich vom Online-Buchhändler zum Marktplatzbetreiber für ganz unterschiedliche Güter entwickelt. Das Unternehmen verfolgt mittlerweile eine Art „Shop for Everything“ Strategie. Und Amazon ist selbst Händler geworden. Denn mittlerweile bietet Amazon seine Plattform nicht nur anderen Händlern an, um in Form einer Vermittlungsprovision zu verdienen, sondern agiert auch selbst als Käufer und Verkäufer. Dazu in den folgenden Abschnitten mehr.

Deutschland ist für Amazon ein wichtiger Markt. Das ist alleine schon daran erkennbar, dass Deutschland im Amazon Geschäftsbericht nach den USA als zweitstärkster Markt separat ausgewiesen ist. In Deutschland erzielte Amazon 2015 laut Geschäftsbericht[4] 11,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Je nach Umrechnungskurs sind das rund 10,7 Milliarden Euro. Das wären 26 Prozent der B2C E-Commerce-Erlöse, die der Handelsverband HDE für das gleiche Jahr mit 41 Milliarden[5] angibt. Das würde bedeuten, dass Amazon in Deutschland an rund einem Viertel des gesamten B2C E-Commerce Umsatzes beteiligt ist.

Real dürfte die Marktmacht von Amazon aber noch größer sein. Laut Marketplace Analytics, der nach eigenen Angaben führenden Analyseplattform für Hersteller und Händler auf Amazon, lag die Zahl der Amazon-Anbieter in Deutschland bei rund 40.000. Diese haben in 2014 bis zu 11 Milliarden Euro Einnahmen über den Amazon-Marktplatz erwirtschaftet.

Amazon ist heute nicht nur Betreiber von Marktplätzen, Logistikdienstleister oder Produkt-Suchmaschine, sondern agiert teilweise auch selbst als Händler, was von manchen Händlern kritisch gesehen wird. In den folgenden Abschnitten werden die wesentlichen Programme von Amazon kurz erläutert.

Programme bei Amazon (Optionen)

Im Wesentlichen bietet Amazon derzeit zwei Programme für Händler: „Verkaufen bei Amazon“ und zusätzlich „Versand durch Amazon“.  Bei „Versand durch Amazon“ übernimmt Amazon die Logistik. Das bedeutet,  die Ware wird vom Händler zunächst in einer entsprechenden Losgröße an Amazon gesendet. Amazon lagert die Ware ein und versendet sie bei Bestellung an den Endkunden. Der Händler spart also die kleinteilige Logistik und die Lagerhaltung. Wobei – das Wort „spart“ trifft es nicht ganz. Amazon lässt sich diese Logistikdienstleistung natürlich bezahlen.

Hinzu kommt die Option, bei Amazon auch Werbung zu schalten für seine Produkte. Das kann unter bestimmten Konstellationen vorteilhaft sein. Datails dazu finden Sie hier: https://services.amazon.de/programme/werbung/ueberblick.html

Die beiden zuvor genannten Programme sind wohl die bekanntesten. Daneben gab es bis Frühjahr 2018 noch das Programm „Amazon Vendor Express“. Bei diesem Programm trat Amazon selbst als Händler auf. Amazon kauf Ware von Herstellern oder Großhändlern und vertreibt diese Ware im eigenen Marktplatz. Ab Mai 2018 nimmt Amazon keine Bestellungen mehr von „Vendor Express“-Partnern an. Zum 1. Januar 2019 wird der Service dann komplett eingestellt. Das Programm, zu dem sich Händler selbst anmelden konnten, wurde 2015 eingeführt. Es war primär für kleinere Unternehmen mit neuen Produkten gedacht, die sich nicht für das „Amazon Vendor Central“-Programm qualifizieren konnten. Zum klassischen „Vendor Central“-Programm lädt Amazon nur selbst ausgewählte Hersteller und Händler ein. Amazon empfiehlt den kleineren Händlern nun den Wechsel ins „Verkaufen bei Amazon“-Programm.

Wenn man so will, macht Amazon den Händlern, die auf dem Marktplatz ihre Ware verkaufen, Konkurrenz. Immer wieder mal wird Amazon für dieses Verhalten von Händlern kritisiert. Händler werfen Amazon vor, „auf Kosten“ der Händler auszuprobieren, welche Produkte im Marktplatz gut laufen und dann die Händler auszuboten, indem die Produkte in das eigene Handelssortiment aufgenommen würden. Ob diese Kritik begründet ist, möchte ich an dieser Stelle nicht diskutieren. Persönlich sind mir Händler bekannt, die durch Amazon viel Geld verdienen – aber auch Händler, die kein gutes Haar an Amazon lassen.

In der Folge werden die drei angesprochenen Amazon Programme näher besprochen. Informationen über weitere Programme von Amazon finden Sie auf der Amazon Programmübersicht.[6]

Verkaufen bei Amazon

Ein professioneller Verkäuferzugang auf der Amazon Plattform kostet im August 2016 gerade mal 39 Euro zzgl. MwSt. monatlich. Der erste Monat ist sogar kostenfrei.

Händler, die dieses Programm nutzen möchten, können nach der Registrierung gleich loslegen und Produktdaten bereitstellen. Diese können entweder manuell oder mithilfe spezieller Tools, die von Amazon bereitgestellt werden, auf den Amazon Marktplatz übertragen werden. Dabei ist dies nicht nur auf Amazon Deutschland beschränkt. Produkte können auf allen europäischen Marktplätzen angeboten werden, also amazon.de, amazon.co.uk, amazon.fr, amazon.it und amazon.es.

In der Theorie können Händler, die dieses Amazon Programm nutzen, natürlich mit einem Schlag eine gigantische Reichweite erlangen. Täglich besuchen Millionen von potentiellen Kunden die Amazon Marktplätze, um Produkte zu kaufen, nach denen sie suchen. In der Praxis gibt es aber natürlich auf den Marktplätzen von Amazon eine große Konkurrenz. Von anderen Händlern und gegebenenfalls von Amazon selbst. Dazu später mehr.

Nachdem ein Endkunde auf Amazon Ware eines Händlers gekauft hat, erhält der Händler eine Benachrichtigung und muss die Ware versenden. Der entsprechende Kaufpreis geht zunächst an Amazon und wird dem Händler regelmäßig gutgeschrieben. Dabei werden die Verkaufsprovisionen von Amazon in der Regel abgezogen. Amazon bietet unterschiedliche Preismodelle für Händler. In der Regel zahlen Händler pro verkauften Artikel eine kategorieabhängige Verkaufsgebühr. Diese liegt mit Stand August 2016 beispielsweise bei 15 Prozent in der Kategorie Auto & Motorrad, bei 10 Prozent in der Kategorie Fahrrad und bei 7 Prozent in der Kategorie Computer. In einigen Kategorien wird eine Mindestverkaufsgebühr pro Artikel erhoben.

Details zum Amazon Programm „Verkaufen bei Amazon“ finden Sie hier: https://services.amazon.de/programme/online-verkaufen/merkmale-und-vorteile.html

Versand durch Amazon (Fulfillment by Amazon, FBA)

Beim Programm „Versand durch Amazon“, besser bekannt unter FBA, übernimmt Amazon zusätzlich zu den oben genannten Leistungen die Lagerhaltung und die Distributionslogistik. Amazon betreibt alleine in Deutschland acht Logistikzentren. Nähere Informationen dazu finden Sie hier: http://www.amazon-logistikblog.de/standorte/. Aus Sicht eines Händlers kann es daher sehr interessant sein, das Amazon FBA zu nutzen. Denn mit acht Logistikzentren lässt sich natürlich eine bedeutend schnellere und kundenfreundlichere Logistik bewerkstelligen, als wenn alles aus einem Zentrallager heraus  versendet werden müsste. Sicherlich ist auch ein Zentrallager kein Problem, wenn der Kunde Lieferzeiten von ein bis zwei Tagen akzeptiert. Aber der allgemeine Trend geht eher in Richtung kürzerer Lieferzeiten.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass Amazon Prime auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist. Für einen Mitgliedsbeitrag von 49 Euro pro Jahr bietet Amazon seinen Kunden eine Reihe von Vorteilen. Dazu zählt auch der kostenfreie Premiumversand für sehr viele Artikel und die Zustellung bis 12 Uhr am Werktag (Express-Versand) nach Versand gegen Aufpreis von 5 Euro (Normalpreis 10 Euro). Weltweit wächst die Anzahl der Prime Mitglieder deutlich, was ein klares Signal der Kunden an Online-Händler ist. Laut Marktforschungsberater Millward Brown Digital[7] soll Amazon Prime in den letzten 12 Monaten um rund 53 Prozent zugelegt haben. Amazon selbst hält sich, was die konkreten Zahlen angeht, bedeckt und achtet auf Stillschweigen.

Zum Programm schreibt Amazon auf der entsprechenden Website:[8]

„Versand durch Amazon“ Millionen neuer, loyaler Prime-Kunden in Deutschland und Europa und profitieren Sie von Amazons schneller und zuverlässiger Logistik mit Kundenservice in Landessprache.

Schicken Sie Ihre Produkte einfach an ein Amazon-Logistikzentrum. Wir lagern Ihren Bestand und entnehmen Ihre Artikel dem Lager, verpacken und versenden Bestellungen Ihrer Kunden EU-weit.“

Der letzte Absatz dieses Zitats macht einen weiteren Vorteil von Amazon FBA deutlich: Der zeitnahe EU-weite Versand. Für Händler, die gerne international verkaufen würden und auch international kurze Lieferzeiten bieten möchten, kann Amazon FBA eine spannende Alternative sein.

Natürlich erbringt Amazon diese Leistungen nicht kostenfrei. Details zur Preisgestaltung können Sie hier finden: https://services.amazon.de/programme/versand-durch-amazon/preisgestaltung.html

Amazon Vendor Express

Wie erähnt wird dieses Programm zum 1. Januar 2019 komplett eingestellt. Amazon empfiehlt den kleineren Händlern nun den Wechsel ins „Seller Central“-Programm (Verkaufen bei Amazon).

Amazon Vendor Central

Verkauft ein Hersteller oder Großhändler über Amazon Vendor Central, wird er first-party Verkäufer genannt. Er handelt wie ein Lieferant und verkauft seine Ware in großen Mengen an Amazon. Amazon wird Eigentümer der Ware und übernimmt somit auch die Verantwortung für Marketing, Verkauf und Preisgestaltung. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile. Ein Nachteil ist sicherlich, dass der Hersteller oder Großhändler nicht mehr in direktem Kontakt zu seinen Kunden steht. Je nach Marktkonstellation kann daher eine gewisse  Abhängigkeit von Amazon entstehen. Auch die Preishoheit gibt der Hersteller ab. Da die Ware an Amazon verkauft wurde, kann Amazon i. d. R. auch den Preis frei bestimmen. Dem gegenüber stehen einige Vorteile. Viele Konsumenten vertrauen eher einem first-party Verkäufer als einem third-party Händler. Das könnte sich ggf. positv auf die Verkaufszahlen auswirken. Außerdem haben Unternehmen die über Vendor Central verkaufen die Möglichkeit, an unterschiedlichen Marketing Programmen wie Subscribe & Save oder Amazon Vine teilzunehmen und  sogenannten A+ Content auf ihren Produktseiten einzubauen. A+ Content ist eine Erweiterung zur basis Produktbeschreibung und bietet die Möglichkeit, weitere Features und Vorteile des Produktes zu erklären bzw. auch zusätzliche Produktfotos zu ergänzen. Auch diese Maßnahme könnte sich durchaus positv auf die Verkaufszahlen auswirken.

Vendor Central verläuft ausschließlich über Einladung und ist vor allem für Hersteller, größre Manufakturen und bekannte Marken gedacht. Einen Einstieg mit spartanischen Informationen finden Sie hier:  https://sellercentral.amazon.de/.

Grundlegende Problematik der drei Programme aus Sicht unabhängiger Händler

Mit dem Programm „Amazon Vendor Express“ wird Amazon vom Plattformbetreiber und Vermittler zum Händler. Es gibt Händler, die nun befürchten, Amazon könnte die eigenen Angebote beim Ranking auf den jeweiligen Marktplätzen bevorzugen. Es wird also ein Interessenskonflikt unterstellt, weil Amazon Plattformbetreiber und zugleich Händler auf dem Marktplatz ist. Ob dieser Interessenskonflikt real besteht, vermag ich nicht zu sagen. Betrachtet man die jeweiligen Businesscases der drei Programme und vergegenwärtigt sich, wo und wie viel Amazon jeweils verdient, dann kann man zumindest nachvollziehen, weshalb es Händler gibt, die Amazons Vorstöße nicht vorbehaltlos positv sehen.

 

ProgrammBusinessmodell
Verkauf bei AmazonAmazon erhält mit Stand August 2016 eine Pauschale und eine erfolgsabhängige Vertriebsprovision. Das Handelsrisiko trägt der Händler.
Versand durch AmazonWie bei Verkauf bei Amazon, jedoch zusätzlich eine Vergütung der Logistikdienstleistung.
Amazon Vendor CentralAmazon erhält die Handelsmarge, also die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Das Handelsrisiko trägt Amazon.

 

Tabelle Programme bei Amazon und grobes Businessmodell dahinter

Nachdem die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der drei Programme nun klar sind, kommen wir wieder zum Kernthema des Kapitels „Amazon als Suchmaschine“: Die eigentliche Suche auf einem der Amazon Marktplätze. Amazon arbeitet, wie Google auch, mit starker Automatisierung und ist von Algorithmen getrieben. Beispielsweise vergibt Amazon die Spitzenplätze der Suchergebnisse in den viel geklickten Buy-Boxen unter den Warenkörben automatisiert per Algorithmus. Die Suchergebnisseite einer Produktsuche wird ebenfalls durch einen Algorithmus bestimmt. Diese Algorithmen sind, wie bei Google auch, geheim. Theoretisch und praktisch wird sich der jeweilige Algorithmus aus allen drei Quellen bedienen. Die folgende Abbildung veranschaulicht den Sachverhalt.

Amazon Programme im Vergleich

Amazon Programme im Vergleich

Nun meine Fragen: Wären Sie Amazon, welche Produkte würden Sie zuerst anzeigen? Welche Produkte würden Sie an einer exponierten Stelle einblenden, wenn sie mehrere zur Auswahl haben? Die Produkte, bei denen Sie am meisten verdienen? Oder andere? Da der Algorithmus ja geheim ist, kann Ihnen niemand in die Karten sehen. Was werden Sie tun?

Natürlich waren die Fragen aus dem vorangegangenen Absatz rein rhetorisch gemeint. Fakt ist: Der Marktplatz wird zur Suchmaschine und vergibt Spitzenplätze nach geheimen Algorithmen. Jemand wird Gewinner und jemand wird Verlierer sein. Aus heutiger Perspektive darf daher vermutet werden, dass Amazons Geheimniskrämerei in Zukunft Gerichte beschäftigen wird.

Weiter mit Teil 2 dieses Artikels – hier klicken.

[1] Vgl. http://www.wsj.com/articles/google-preps-shopping-site-to-challenge-amazon-1418673413, Abruf 20.11.2018

[2]     Vgl. http://marketingland.com/amazon-is-the-starting-point-for-44-percent-of-consumers-searching-for-products-is-search-losing-then-145647,

[3]     Vgl. Lammenett, E. (2016). Online-Marketing-Konzeption – 2016. O.O.: CreateSpace Independent Publishing Platforms. Siehe: https://www.amazon.de/dp/1532834691

[4]     Vgl. http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=97664&p=irol-reportsannual, Abruf 20.11.2018

[5]     Vgl. http://www.einzelhandel.de/index.php/presse/zahlenfaktengrafiken/item/110185-e-commerce-umsaetze, Abruf 20.11.2018

[6]     https://services.amazon.de/programme.html, Abruf 20.11.2018

[7]     Vgl.   https://www.millwardbrowndigital.com/news/amazon-prime-membership-booms/, Abruf 20.11.2018

[8]     Vgl. https://services.amazon.de/programme/versand-durch-amazon/merkmale-und-vorteile.html, Abruf 20.11.2018

 

In eigener Sache: Seit 1. Februar 2019 am Markt. Die 4. Auflage meines Buches:

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Amazon als Beispiel für die Macht der Platform Economy

Update, November 2018

Die Platform Economy oder Digital Platform Economy bezeichnet Geschäftsformen oder -modelle, die auf der Grundlage von internetbasierten Plattformen operieren. Eine Plattform kreiert eine Art Ökosystem, welches für sich stehen kann und verschiedenste Interaktionen zwischen den handelnden Personen ermöglicht. In den vergangenen 20 Jahren sind sehr viele solcher Plattformen in unterschiedlichsten Bereichen entstanden: Auktionsplattformen oder Handelsplattformen wie eBay oder Amazon, Netzwerke wie Facebook oder LinkedIn, Finanz- oder HR-Portale wie Workday, Freelancer oder Elance-oDesk, Logistikplattformen wie Uber, Lyft oder Sidecar oder Vermittlungsportale für Unterkünfte wie Airbnb.

Plattformen dieser Art verändern etablierte Geschäftsprozesse. Teilweise sogar ziemlich massiv. Und sie verändern das Online-Marketing. Teilweise ebenfalls massiv. Am Beispiel von Amazon möchte ich in diesem Artikel einmal beleuchten, wie groß der Einfluss der Digital Platform Economy in den letzten 10 bis 15 Jahren geworden ist und wie stark etablierte Geschäftsprozesse und Online-Marketing-Disziplinen beeinflusst und verändert werden.

Amazon – ein kurzer Rückblick

Amazon startete 1995 als kleiner Online-Buchhandel. Heute ist Amazon weit mehr als das. Heute ist Amazon eine gigantische Handelsmaschinerie mit teilweise erschreckender Marktmacht. Aufgrund dieser Marktmacht ist Amazon heute in vielen Märkten auch eine Suchmaschine für Produkte. Aber der Reihe nach.

Gegründet wurde Amazon 1994 von Jeff Bezos. Etwa ein Jahr nach Gründung ging Amazon zunächst für ausgewählte Kunden in den Testbetrieb. Im Juli 1995 wurde das erste Buch an einen externen Kunden verkauft. Zwei Monate nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit nahm Amazon pro Woche rund 20.000 US-Dollar ein. Etwa ein Jahr nach dem Verkauf des ersten Buches erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 15,7 Millionen US-Dollar. 1997 ging Amazon an die Börse und erhielt knapp 150 Millionen US-Dollar. Amazon hatte nun genügend Kapital für den weiteren Ausbau.

Trotz diverser Rückschläge, beispielsweise durch das Platzen der Internetblase um das Jahr 2000, entwickelte sich Amazon in den folgenden 20 Jahren zu einem gigantischen, innovativen Handelsunternehmen. Heute agiert Amazon weltweit und erwirtschaftet einen Umsatz von über 100 Milliarden US-Dollar. Amazon hat sich vom Online-Buchhändler zum Marktplatzbetreiber für ganz unterschiedliche Güter entwickelt. Das Unternehmen verfolgt mittlerweile eine Art »Shop for Everything« Strategie. Und Amazon ist selbst Händler geworden. Denn mittlerweile bietet Amazon seine Plattform nicht nur anderen Händlern an, um in Form einer Vermittlungsprovision zu verdienen, sondern kauft und verkauft auch Ware auf eigene Rechnung, was von manchen Händlern kritisch gesehen wird. Mehr dazu im Abschnitt 5.9.3 »Amazon verändert den Handel – und zwar strukturell«.

Deutschland ist für Amazon ein wichtiger Markt. Das ist alleine schon daran erkennbar, dass Deutschland im Amazon Geschäftsbericht nach den USA als zweitstärkster Markt separat ausgewiesen ist. In Deutschland erzielte Amazon schon 2015 laut Geschäftsbericht[1] 11,8 Milliarden US-Dollar Umsatz. Je nach Umrechnungskurs sind das rund 10,7 Milliarden Euro. Das wären 26 Prozent der B2C E-Commerce-Erlöse, die der Handelsverband HDE[2] für das gleiche Jahr mit 41 Milliarden angibt. Das würde bedeuten, dass Amazon in Deutschland an rund einem Viertel des gesamten B2C E-Commerce Umsatzes beteiligt ist. Leider sind in den folgenden Geschäftsberichten von Amazon die Zahlen für Deutschland nicht mehr gesondert ausgewiesen. Insgesamt stieg Amazons Umsatz von 107 Milliarden US $ in 2015 auf auf 178 Milliarden in 2017. Es ist kaum vorstellbar, dass die Zahlen für Deutschland nicht auch weiter deutlich gestiegen sind.

Real dürfte die Marktmacht von Amazon aber noch größer sein. Laut Marketplace Analytics, der nach eigenen Angaben führenden Analyseplattform für Hersteller und Händler auf Amazon, lag die Zahl der Amazon-Anbieter in Deutschland bei rund 40.000. Diese haben in 2014 bis zu 11 Milliarden Euro Einnahmen über den Amazon-Marktplatz erwirtschaftet.

Amazon verändert das Suchmaschinenmarketing

2015 war das Jahr von Amazon als Suchmaschine. Im Laufe des Jahres erschienen ein gutes Dutzend Artikel und Blogbeiträge mit Titeln wie: »Amazon – das neue Google« oder »Amazon – vom virtuellen Marktplatz zur meistgenutzten Suchmaschine«. Zwei Studien aus dem Jahr 2015 begründen diese Entwicklung. Lt. Forrester starten 39 Prozent der US-Verbraucher den Online-Kauf eines Produktes bei Amazon.[3] Eine Studie von BloomReach aus dem gleichen Jahr kam sogar auf 44 Prozent.[4] Die genannten Studien befassen sich zwar mit dem US-Markt, aber natürlich gibt es auch in Deutschland mittlerweile viele Menschen, welche die Suche nach einem Produkt bei Amazon beginnen und nicht mehr bei Google.

Selbstverständlich hat diese Entwicklung auch einen Einfluss auf das Online-Marketing und in bestimmten Fällen auf das Online-Marketing-Konzept eins Unternehmens oder einer Marke. Denn die Entwicklung von Amazon hin zur Produktsuchmaschine beeinflusst den E-Commerce in Deutschland im Allgemeinen und das Suchmaschinenmarketing im Besonderen. Teilweise auch Affiliate-Marketing und SEA.

Mittlerweile überlegen sich viele Onlinehändler, ob sie einen eigenen Onlineshop aufmachen oder ihre Produkte nur bei Amazon anbieten. Werden Produkte nur bei Amazon angeboten, so erübrigen sich im Online-Marketing-Mix Disziplinen wie Suchmaschinenoptimierung oder Affiliate-Marketing. Stattdessen müssen sich Händler, die sich für Amazon und gegen einen eigenen Onlineshop entschieden haben, mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Produkte innerhalb von Amazon prominent platzieren können. Denn das Angebot bei Amazon ist gigantisch. Einfach nur Produkte einstellen wird in den seltensten Fällen zum Erfolg führen. Um ehrlich zu sein – ich warte auf das erste Buch mit dem Titel »Amazon-Marketing«. Agenturen, die sich auf das Marketing im Amazon-Universum spezialisiert haben, gibt es ja schon.

Auch das Umfeld der Suchmaschinenoptimierung wird von der aktuellen Entwicklung beeinflusst. Beispielsweise haben die Hersteller von SEO-Tools schon auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert. Im Januar 2016 brachte der Anbieter Sistrix sein »Amazon Keyword Tool« heraus. Auf der Webseite von Sistrix war dazu zu lesen:

Fangen wir direkt mit der ungemütlichen Wahrheit an: E-Commerce-Suchen sind keine Stärke von Google. Auch sieht es nicht so aus, als ob Google einen Ansatz habe, um das in Zukunft zu ändern. Laut einer aktuellen Umfrage von BloomReach unter 2.000 US-Amerikanern, ist Amazon die größte Shop-Suchmaschine: 44% aller Produktsuchen fangen bei Amazon an. Nur 34% der Suchen finden in den klassischen Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo statt. Direkt auf den Seiten der Händler suchen nur 21% der Befragten. Behält man im Hinterkopf, dass Amazon im stark wachsenden Bereich des Einkaufens übers Smartphone überdurchschnittlich erfolgreich ist, spricht einiges dafür, sich näher mit der Amazon-Produktsuche zu beschäftigen.

Naturgemäß ist das Suchverhalten bei Amazon anders als bei Google: das fängt damit an, dass der Suchende in der Regel eine konkrete Kaufintention hat, führt über ein anderes SERP-Layout und endet letztlich doch immer wieder beim Keyword selber. Um in diesen Teil der Plattform etwas Transparenz zu bringen, haben wir eine Keyword-Datenbank für Amazon aufgebaut. In diesem Amazon Keyword Tool haben wir mehrere Millionen typischer Suchanfragen an die Amazon-Suche gesammelt.[5]

Amazon verändert den Handel – und zwar strukturell

Amazon bietet derzeit zwei Programme für Händler. Darüber hinaus wird Amazon mit dem Programm »Amazon Vendor Express« vom Plattformbetreiber und Vermittler selbst zum Händler. Die drei Programm habe ich etwas ausführlicher auf dieser Seite beschrieben: https://www.lammenett.de/suchmaschinenoptimierung/ist-amazon-eine-suchmaschine-oder-was.html. Achtung, teilweise überschneiden sich die Texte.

Es gibt Händler, die nun befürchten, Amazon könnte die eigenen Angebote beim Ranking auf den jeweiligen Marktplätzen bevorzugen. Es wird also ein Interessenskonflikt unterstellt, weil Amazon Plattformbetreiber und zugleich Händler auf dem Marktplatz ist. Ob dieser Interessenskonflikt real besteht, vermag ich nicht zu sagen. Betrachtet man die jeweiligen Business-Cases der drei Programme und vergegenwärtigt sich, wo und wie viel Amazon jeweils verdient, dann kann man zumindest nachvollziehen, weshalb es Händler gibt, die Amazons Vorstöße nicht vorbehaltlos positiv sehen.

 

ProgrammVergütung
Verkauf bei AmazonAmazon erhält mit Stand August 2016 eine Pauschale und eine erfolgsabhängige Vertriebsprovision. Das Handelsrisiko trägt der Händler.
Versand durch AmazonWie bei Verkauf bei Amazon, jedoch zusätzlich eine Vergütung der Logistikdienstleistung.
Amazon Vendor Express (nur noch bis Q1 2019, dann Einstellung)Amazon erhält die Handelsmarge, also die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Das Handelsrisiko trägt Amazon.
Amazon Vendor Central (nur auf Einladung von Amazon)Amazon erhält die Handelsmarge, also die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis. Das Handelsrisiko trägt Amazon.

Tabelle: Programme bei Amazon und grobes Business-Modell

Update: November 2018

Das Probramm Vender Express wird bis Q1 2019 eingestellt. Bei diesem Programm trat Amazon selbst als Händler auf. Amazon kauf Ware von Herstellern oder Großhändlern und vertreibt diese Ware im eigenen Marktplatz. Seit Mai 2018 nimmt Amazon keine Bestellungen mehr von „Vendor Express“-Partnern an. Zum 1. Januar 2019 wird der Service dann komplett eingestellt. Das Programm, zu dem sich Händler selbst anmelden konnten, wurde 2015 eingeführt. Es war primär für kleinere Unternehmen mit neuen Produkten gedacht, die sich nicht für das „Amazon Vendor Central“-Programm qualifizieren konnten. Zum klassischen „Vendor Central“-Programm lädt Amazon nur selbst ausgewählte Hersteller und Händler ein. Amazon empfiehlt den kleineren Händlern nun den Wechsel ins „Verkaufen bei Amazon“-Programm.

Ende Update

Weiter genährt wird die Gerüchteküche durch den geheimen Amazon Algorithmus. Amazon arbeitet, wie Google auch, mit starker Automatisierung und ist von Algorithmen getrieben. Beispielsweise vergibt Amazon die Spitzenplätze der Suchergebnisse in den viel geklickten Buy-Boxen unter den Warenkörben automatisiert per Algorithmus. Die Suchergebnisseite einer Produktsuche wird ebenfalls durch einen Algorithmus bestimmt. Diese Algorithmen sind, wie bei Google auch, geheim. Theoretisch und praktisch wird sich der jeweilige Algorithmus aus allen drei Quellen bedienen. Die folgende Abbildung veranschaulicht den Sachverhalt.

Amazon Programme im Vergleich

Amazon Programme im Vergleich

 

Nun meine Fragen: Wären Sie Amazon, welche Produkte würden Sie zuerst anzeigen? Welche Produkte würden Sie an einer exponierten Stelle einblenden, wenn sie mehrere zur Auswahl haben? Die Produkte, bei denen Sie am meisten verdienen? Oder andere? Da der Algorithmus ja geheim ist, kann Ihnen niemand in die Karten sehen. Was würden Sie tun?

Die geschilderte Entwicklung verändert etablierte Handelsstrukturen und damit auch das Marketing. In einigen Branchen werden Hersteller zukünftig vermehrt auch über Amazon vertreiben. Amazon wird Hersteller aktiv ansprechen, um sie für das Programm »Amazon Vendor Express« zu begeistern. Denn dort ist die Verdienstmöglichkeit für Amazon am größten. Auch für Hersteller ist das Programm eine Alternative, können sie so mindestens eine Handelsstufe aussparen und Gewinne optimieren. Mit zunehmender Bedeutung der Platform Economy wird das Leben der Händler immer schwieriger. Logisch – wenn Hersteller direkt auf der Plattform verkaufen, werden Händler nicht mehr gebraucht. Zumindest in einigen Brachen wird das verstärkt so kommen. In anderen Branchen werden Händler über Service und Zusatznutzen eine Daseinsberechtigung behalten. Sie werden parallel zu Herstellern auf Plattformen verkaufen oder über andere Vertriebswege wie beispielsweise Online-Shops.

Fazit zum Beispiel Amazon

Nachdem nun einige Details zur »Platform Amazon« ausgeführt wurden, möchte ich nun wieder zur Kernfrage des Artikels kommen, nämlich zur Frage, wie die Platform Economy das Marketing im Allgemeinen und das Online-Marketing im Besonderen verändert. Dabei ist zu bedenken, dass Amazon schlussendlich ja nur eine von vielen Ausprägungen der Platform Economy ist.

Die Produktsuche verlagert sich mehr und mehr von Google zu Amazon. Das hat folgende Implikationen auf das Online-Marketing:

  • Suchmaschinenmarketing wird sich verändern. Die produktspezifische Suchmaschinenoptimierung für Google wird weniger wichtig. Gleiches gilt für produktspezifische AdWords. Logisch – wenn die Konsumenten nicht mehr in Google suchen, sondern direkt in Amazon, dann erübrigt sich der Aufwand.
  • Auch Google-Shopping verliert an Bedeutung.
  • Es entsteht eine neue Online-Marketing-Disziplin, die dann »Amazon-Marketing« heißen wird.
  • In einigen Teilbereichen wird auch das Affiliate-Marketing von der aktuellen Entwicklung beeinflusst. Wenn sich Umsätze von Händler-Online-Shops in den Amazon Marktplatz verlagern, wird der Wettbewerb im Affiliate-Marketing geringer.Das die aktuelle Entwicklung sich fortsetzt, macht auch die am 25.10.2016 erschienene 8. Auflage der Studie »E-Commerce-Markt Deutschland 2016« deutlich. Hier war zu lesen, dass die ohnehin hohe Marktkonzentration im E-Commerce im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen ist. Aktuell werden satte 40 Prozent des Umsatzes der Top-1.000 Online-Shops von nur 10 Unternehmen erwirtschaftet. Amazon liegt mit einigem Abstand an der Spitze der Top-10.

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. In einigen Branchen werden mittel- bis langfristig die Handelsstrukturen verändert, wie zuvor geschildert. Das wird sich mit Sicherheit in nennenswertem Umfang auf das Marketing und auf die Marketing-Konzeption der verbleibenden Marktteilnehmer auswirken.

Weitere Veränderungen im Marketing sind durch die sich wandelnde Konsumentenerwartung und die damit verbundene Veränderung des Konsumentenverhaltens zu erwarten. Amazon hat eine Art Ökosystem kreiert, in dem vermeintlich nicht nur Top-Preise zu finden sind, sondern welches auch eine hervorragende Logistikleistung und eine starke Kundenorientierung bietet. Die »Platform Amazon« verändert dadurch die Erwartungshaltung vieler Konsumenten. Beispielsweise ist heute eine Lieferung am nächsten Tag oder die problemlose und unterstützte Rückabwicklung von online Käufen für viele Marktteilnehmer Standard. Händler, die mit dem Marktplatz Amazon konkurrieren wollen, müssen hier entweder mitziehen oder ihre Marketing-Konzeption entsprechend ausrichten.

 

[1] Vgl. http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=97664&p=irol-reportsannual, Abruf 10.11.2018

[2] Vgl. http://www.einzelhandel.de/index.php/presse/zahlenfaktengrafiken/item/110185-e-commerce-umsaetze, Abruf 10.11.2018

[3] Vgl. http://www.wsj.com/articles/google-preps-shopping-site-to-challenge-amazon-1418673413, Abruf 10.11.2018

[4] Vgl. http://marketingland.com/amazon-is-the-starting-point-for-44-percent-of-consumers-searching-for-products-is-search-losing-then-145647, Abruf 10.11.2018

[5] Quelle: www.sistrix.de/news/vorstellung-unser-amazon-keyword-tool, Abruf 10.11.2018.

 

In eigener Sache: Seit 1. Februar 2019 am Markt. Die 4. Auflage meines Buches:

Amazon Programme im Vergleich

Teil 2 des Artikels: Ist Amazon eine Suchmaschine? Oder was?

Um als Händler erfolgreich Produkte auf einem Amazon Marktplatz verkaufen zu können, muss man dafür sorgen dass seine Produkte auf dem Marktplatz gut sichtbar sind. Im Idealfall vor den Produkten der Mitbewerber. Um dieses zu erreichen muss man verstehen, wie der Amazon Algorithmus und damit die Amazon-Suchmaschine funktioniert. Das ist schwierig, weil ja keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Es muss vermutet und spekuliert werden. Es muss getestet und experimentiert werden. Aber so ist es beim berühmten Google Algorithmus ja auch. Niemand kennt den Algorithmus wirklich – außer Google natürlich. Google gibt ab und zu Hinweise auf Faktoren, die den Algorithmus beeinflussen. Aber das ist auch schon alles. Das ganze Ausmaß des Algorithmus ist nicht bekannt.

In der Folge gehe ich auf einige Aspekte ein, die das Ranking auf Amazon vermutlich beeinflussen. Die Ausführungen erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Sie sind zwar logisch nachvollziehbar, doch nicht gesichert im Sinne von verifizierter Tatsache.

Grundsätzliche Handlungsparameter

Im Kern gibt es zwei Optimierungsansätze für Händler, wollen sie in der „Suchmaschine“ Amazon gut positioniert sein. Für welchen Händler und für welche Produktgruppe welcher Ansatz richtig ist, hängt vom Einzelfall ab.

Zum einen ist das die Ranking-Optimierung und zum zweiten die sogenannte Buy Box Optimierung. Was die Buy Box ist, habe ich im Teil 1 dieses Artikels besprochen. Bei der Ranking-Optimierung geht es um die Beeinflussung der Suchergebnisseite von Amazon. Gibt ein Besucher ein bestimmtes Keyword in die Suchmaske ein, werden ihm in der Regel pro Seite 20 bis 40 Produkte angezeigt. An welcher Position und auf welcher Seite ein Produkt erscheint, entscheidet der Algorithmus. Dieser Algorithmus ist wesentlich übersichtlicher als der Google Algorithmus. Dennoch hat sich mittlerweile der Begriff Amazon SEO etabliert, der die Ranking-Optimierung für den Amazon Marktplatz beschreibt.

Bei der Ranking-Optimierung spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Bei Amazon sind das beispielsweise die Klickrate und der Absatz. Diese Faktoren werden u.a. durch die Darstellung der Produkte beeinflusst. Mit Darstellung in diesem Kontext sind die Qualität der Produktbilder und der Werbetexte gemeint. Ferner spielen auch die verwendeten Keywords und deren Einbettung auf der Produktseite eine Rolle.

Bei der Buy Box Optimierung sind die genauen Faktoren, nach denen Amazon die Händler der Buy Box hinzufügt, nicht bekannt. Bisweilen ist zu lesen, das sowohl der Preis als auch die Verfügbarkeit eine Rolle spielen. Das sind vermutlich aber nicht die einzigen Faktoren.

Stellschrauben – ein Überblick

Keyword-Analyse

Wie bei der Optimierung für Google auch, ist erster und zentraler Punkt bei Amazon SEO die Recherche und Auswahl geeigneter Keywords für ein Produkt. Sind passende und relevante Keywords beim Produkt hinterlegt, so steigt die Sichtbarkeit des Produkts auf der Suchergebnisseite von Amazon bei adäquaten Suchanfragen. Wo die recherchierten Keywords zu hinterlegen sind, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Platzierung der Keywords und Optimierung der Texte

Grundsätzlich ist die Platzierung geeigneter Keywords vergleichbar mit der Platzierung von Keywords bei der Google Optimierung. Folgende Positionen sind von Bedeutung:

  • Der Titel hat für das Ranking eine Bedeutung. Es empfiehlt sich, im Titel passende und häufig gesuchte Keywords zu verankern.
  • Die allgemeinen Schlüsselwörter, welche man im Seller Central eintragen kann haben ebenfalls eine Bedeutung für das Ranking und sollten häufig gesuchte, passende und relevante Keywords enthalten. Die Schlüsselwörter werden auf der Produktseite nicht ausgegeben.
  • Natürlich haben die Produktattribute und der Produkttext ebenfalls eine Relevanz für das Ranking bei Amazon.

Es empfiehlt sich allerdings nicht, Keywords ständig zu wiederholen. Beim der Optimierung der Produkttexte und -Attribute geht es vielmehr darum, die Texte so zu gestalten, dass sie „verkaufen“. Im Idealfall sind sie so geschrieben, dass die für einen Leser eine verkaufsfördernde Wirkung haben und für den Algorithmus von Amazon eine rankigförderden Wirkung. Diese Aussage kommt Ihnen bekannt vor aus der Suchmaschinenoptimierung für Google? Stimmt. Denn auch bei der Google SEO ist die Art und Weise der Texterstellung von Bedeutung.

Texte mit verkaufsfördernder Wirkung enthalten in der Regel ein oder mehrere Nutzenversprechen. Um es mit den Worten von Philip Kotler zu sagen: „Man verkauft immer nur Nutzen, nie ein Produkt“.

Ganz wichtig im Verkaufsprozess sind sicherlich die Produktbilder. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und mehrere gute und qualitativ hochwertige Bilder sagen dann möglicherweise mehr als etliche tausend Worte. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass gute Produktbilder und auch Produktvideos einen positiven Einfluss auf die Abverkaufszahlen in Online-Shops haben. Das dürfte bei Amazon nicht anders sein. Professionelle und durchdachte Produktbilder steigern in der Regel die Coversion Rate – vorausgesetzt der Preis ist im Rahmen. Damit wären wir beim nächsten wichtigen Punkt: Dem Preis.

Ein wettbewerbsfähiger Preis trägt ebenfalls zu einem guten organischen Ranking bei. Für Händler macht es durchaus Sinn, sich im Vorfeld über das Preisgefüge auf dem Amazon Marktplatz zu informieren. Auch Experimente mit unterschiedlichen Preisen sind sicherlich ein Mittel, um ein Gefühl für einen optimalen Angebotspreis auf der Plattform zu entwickeln.

Die Amazon Rezensionen können den Verkauf eines Produktes ebenfalls positiv beeinflussen. Gut möglich, dass sie auch einen Einfluss auf das Ranking haben. Denn gut bewertete Produkte verkaufen sich besser als schlecht bewertete. Amazon verdient nur, wenn verkauft wird. Ergo hat Amazon ein Interesse, gut bewertete Produkte zu Präsentieren. Sie verkaufen sich schneller und besser. Dementsprechend ist es wichtig, auf negative Rezensionen schnell und professionell zu Reagieren.

Auch die Nutzung vom Versandservice FBA soll laut einigen Experten einen positiven Effekt auf das Ranking haben. FBA Produkte sind in der Regel schneller beim Kunden. Da die Anzahl der Amazon Prime Mitglieder in den letzten Jahren stark gestiegen ist, werden immer mehr FBA Produkte bevorzugt gekauft. Denn schnelle Lieferung ist für Prime Mitglieder ja nicht mit Zusatzkosten verbunden.

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Das „System“ Amazon

In meinen Artikel „Amazon als Beispiel für die Macht der Platform Economy“ hatte ich u. a. auf Händler hingewiesen, die Amazon sehr kritisch sehen. Sie unterstellen Amazon einen Interessenkonflikt in Bezug auf die Bevorzugung von eigener Ware. Denn Amazon vertreibt auch Ware im eigenen Namen und nicht nur im Auftrag von Händlern. Zu diesem Themenkomplex erschien diese Woche ein ausgesprochen kritischer Film in der ARD. Hier der Link:

https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzk5OTMyNA/